Hinweis Die Ursprünge Der Aufschwung Die Organisierung der Sammler Die Richtlinien nach unten

Kurze Geschichte der Thematischen Philatelie

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.02.2008

Hinweis

Die vorliegende Dokumentation "Kurze Geschichte der Thematischen Philatelie" soll Ihnen einen Überblick über das Sammeln thematischer Motive und die Entwicklung dieser reizvollen Art der philatelistischen Beschäftigung verschaffen. Die Dokumentation wurde von Günter Formery aus Saarbrücken erstellt.


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Die Ursprünge

Wenn wir nach den Wurzeln der Thematischen Philatelie, die ihren Ursprung in der Motivphilatelie hat, suchen wollen, müssen wir weit zurückblicken. Schon 1863 versuchte ein amerikanischer Pastor Briefmarkensammler dafür zu interessieren, sich mit Markenmotiven zu beschäftigen, wobei er besonders hervorhob, dass diese Art von Freizeitbeschäftigung die Allgemeinbildung erweitern könne.

In Paris wurde bereits 1892 auf einer internationalen Ausstellung ein thematisch gegliedertes Exponat gezeigt. Danach erschienen hauptsächlich in den USA einige Zeitschriftenartikel über verschiedene Motivgebiete.

Erste Motivsammlungen tauchen in den zwanziger Jahren in der Sowjetunion auf. Zu den Pionieren der Motivphilatelie im europäischen Raum zählen neben Franzosen auch Engländer sowie der Luxemburger Philatelist Dr. Bernhard Fetter (1892-1966), ein früher Aussteller.

Die Motivphilatelie ist eine Art des Sammelns, bei der die Aussagen von Briefmarken, postalischen Dokumenten und Stempeln bestimmend sind. Motivsammlungen wurden anfänglich chronologisch gegliedert nach dem Ausgabedatum und mit der Zielsetzung auf Vollständigkeit zusammengetragen. Von daher waren sie noch stark mit der Traditionellen Philatelie verbunden.

Auch die um die Wende des 20. Jahrhunderts aufkeimende Maximaphilie orientiert sich am Motiv der Briefmarke, zu dem der Sammler eine illustrierte Postkarte mit maximaler Übereinstimmung sucht, um bildseitig die Marke aufzukleben und sie einer ortsbezogenen Abstempelung zuzuführen. Diese Belange erfordern tiefgehende Hintergrundinformationen thematischer Art. Daher war die Maximaphilie, eine spezielle Art des Sammelns von Briefmarken, ebenfalls an der Entwicklung der Thematischen Philatelie beteiligt. Bei der Bearbeitung von Maximaphilie-Exponaten wird von den drei vorhandenen Möglichkeiten des Exponatsaufbaues der thematische Aufbau am häufigsten ausgewählt.


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Der Aufschwung

Beide Sammelrichtungen erhielten einen großen Auftrieb durch die nach dem I. Weltkrieg einsetzende Motivvielfalt bei Neuausgaben. Ihre Anhänger hatten einen steinigen Weg zu überwinden, um konservative Philatelisten von ihrer Daseinsberechtigung zu überzeugen. Oftmals wurden sie als Sonderlinge und Bildchensammler ignoriert und belächelt.

Zu einem Aufschwung des Motivsammelns in Deutschland trugen in den dreißiger Jahren der Franziskanerpater Clemens Anheuser vom Missionskolleg St. Antonius in Bardel und Pater Gabriel Schmidt, Wallfahrtsdirektor im rheinischen Neviges, bei, die christliche Motive sammelten. Pater Anheuser veröffentlichte im Jahre 1940 das Werk "Die christliche Welt im Markenbild". Einige Tage nach seinem Erscheinen beschlagnahmte die Gestapo das Buch und ließ es einstampfen. Nach dem Krieg erfolgte eine Neuauflage in zwei Bänden.

Dem Elsässer Abbe Prof. Dr. Lucien Braun, Marienthal/F, der Ende der vierziger Jahre aktiv wurde, verdanken die Motivsammler eine dauerhafte Aufwertung ihres Sammelgebietes. Braun propagierte in seinem Buch "Konstruktive Philatelie" den Reiz einer individuellen Motivsammlung.


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Die Organisierung der Sammler

Nach zweijähriger Vorbereitung, an der sich auch der saarländische Sammler Heinrich Walz beteiligte, fand auf Initiative von Pater L. Braun vom 18. bis 21. August 1950 in Straßburg/ Elsass die Gründung des "Internationalen Verbandes für konstruktive Philatelie" (FIPCO) statt. Zum ersten Verbandspräsident wählten die Versammlungsteilnehmer Mgr. Cech aus den USA. Pater L. Braun wurde Generaldirektor und vorläufiger Schatzmeister des Verbandes. In den Zentralvorstand gelangte Pater Gabriel Schmidt und Pater C. Anheuser erhielt die Ernennung zum Ehrenmitglied.

Von den vier anwesenden saarländischen Sammlern wählte die Delegierten Heinrich Walz, Saarbrücken, damaliger Vorsitzender des Landesverbandes der Briefmarkensammler des Saarlandes (LBS), ebenfalls zum Mitglied des Zentralvorstandes (Verwaltungsrat). Heinrich Walz hatte in den folgenden Jahren an der Entwicklung der Motivphilatelie entscheidenden Anteil, so auch als Verfasser von Regelwerken und Jurymitglied zahlreicher internationaler und nationaler Ausstellungen in Europa und Übersee. Seine Schrift "Das Sammelgut in der Motivsammlung", übersetzt in mehrere Sprachen, wurde zum internationalen Standartwerk für den Aufbau einer Motivsammlung.

Erstmals erschien im Januar 1951 die Verbandszeitschrift "HERMES". Sie wurde in mehren Sprachen gedruckt, aber bereits 1954 wieder eingestellt. 1956 folgte der "FIPCO-Kurier" als Verbandsorgan, den Heinrich Walz ins Leben rief und dann sieben Jahre als dessen Schriftleiter wirkte. Walz hat an allen FIPCO-Kongressen teilgenommen und diese größtenteils selbst organisiert. Er wurde für seine umfangreichen Verdienste mit und der goldenen Verdienstnadel des Verbandes ausgezeichnet, war Ehrenmitglied von motiv-philatelistischen Vereinigungen in Luxemburg, Finnland, Schweiz und im Saarland.

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(Abbildung: Kopfleiste des FIPCO-Kuriers)

Die Sektion Saar der FIPCO, identisch mit der 1950 gegründeten "Motivsammlergruppe des LV der Briefmarkensammler des Saarlandes", wies 1953 folgenden Vorstand auf: Vorsitzender: Jakob Trampert, Saarbrücken, Schriftführer: Helmut Jähne, Saarbrücken, Tauschwart: Kurt Happel, Saarbrücken. Ihre Mitglieder trafen sich zweimal monatlich im Lokal Zeller, Saarbrücken. In der Sektions-Generalversammlung vom 19.9.1954 erlangte Rudolf Beck den Vorsitz. Der Mitgliederstand wuchs auf 63 im Jahre 1956 an, dem Jahr der Gründung der Vereinigung der Motivsammler an der Saar (VMS), deren Vorsitzender Herr Beck ebenfalls wurde.

Im Rahmen der Veranstaltungen zur IMOSA, der ersten Internationalen Motivbriefmarken-Ausstellung Saar des LBS in Saarbrücken (29.3. - 8.04.1952), einem großen Treffen der Weltphilatelie mit 223 Exponate aus 21 Ländern, von denen 78 aus Deutschland kamen, fand vom 4. bis 6. April 1952 der III. FIPCO-Kongress statt. Als Veranstaltungsleiter der IMOSA, deren philatelistischer Erfolg groß war, fungierte Heinrich Walz. Nach Meinung von Sachkennern hat diese Ausstellung entscheidend zur Selbstbesinnung der Motiv-Philatelie und zur Definition einer klaren Marschroute beigetragen. Aus den Ausstellungsbedingungen erfahren wir folgende interessante Bewertungskriterien:

1. Aufmachung und Beschriftung2 - 8 Punkte
2. Erhaltung2 - 8 Punkte
3. Vollständigkeit6 - 14 Punkte
4. Eigene fachliche und philatelistische Kenntnisse6 - 15 Punkte
5. Individuelle künstlerische Gestaltung6 - 15 Punkte

Von 1952 bis 1953 übte Walz das Amt des Vizepräsidenten der FIPCO aus. Auf dem IV. Kongress in Bern vom 22.-25. Mai 1953 erhielt er die Funktion des Generalsekretärs und die neugeschaffene Prof. Dr. L. Braun-Verdienstmedaille für hervorragende organisatorische Leistungen auf dem Gebiet der konstruktiven Philatelie. Später wurde er mit der zweiten Verdienstmedaille der FIPCO "Fontanet" ausgezeichnet. Ihm zur Seite stand Willy Weinen, Wadern/Saar, als stellvertretender Generalsekretär, dem 1963 ebenfalls die Braun-Verdienstmedaille verliehen wurde.


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Die Richtlinien

Des weiteren wurden auf dem IV. Kongress die "Grundregeln für die Aufmachung von Motivsammlungen" (Richtlinien) ergänzt und verbessert. Den Exponaten sollte eine Monographie beigegeben werden, um eine "Überfülle des Textes" zu vermeiden. Für Exponate, die philatelistische Besonderheiten berücksichtigten, sollte in den Ausstellungs-bestimmungen eine zusätzliche Klasse ausgeschrieben werden. Und nachfolgendes sollte ebenfalls berücksichtigt werden: "Zwischen konstruktiven und thematischen Sammlungen soll in Zukunft eine schärfere Unterscheidung durchgeführt werden. Konstruktive Sammlungen (Motivsammlungen im eigentlichen Sinn) sind nicht nach Erscheinungsjahr, sondern nach dem Bildgehalt und der Leitidee aufgebaut. Thematische Sammlungen sind nach Zweck und Anlass der Verausgabung angelegt und werden meist nach Ländern und Erscheinungsjahr angeordnet sein. Es wird empfohlen, thematische Sammlungen wohl auf regionalen und nationalen, nicht aber auf internationalen Ausstellungen, die unter dem Patronat der FIPCO stehen, zuzulassen." (Presse-INFO-Dienst der FIPCO Nr. 1/53, Generalsekretariat/Walz).

Der V. FIPCO-Kongress in Karlsruhe (1954) beschloss auf Vorschlag der Kommission B ein neues "Reglement für die Ausstellung von Motivsammlungen", welches die Sektion Schweiz ausgearbeitet hatte. Hier muss angemerkt werden, dass FIPCO-Juroren Exponate nach den Verbands-Reglements A und B bewerteten.

Es gab anfänglich vier verschiedene Arten von Motivsammlungen:

1) ländermäßig oder chronologisch geordnete Zusammenstellungen von Marken zu einem Bildmotiv,
2) nach dem Ausgabeanlass geordnetem
3) über Belange von Organisationen und Ereignisse,
4) Motivsammlungen nach einem Sammlungsplan zu einem Thema.

Insbesondere letztere Art von Sammlungen ebnete den Weg zur Thematik.

Ab 1959 hatte sich Heinrich Walz nachhaltig für die Zusammenarbeit der FIPCO mit der FIP eingesetzt. Wenn auch die FIPCO ein Konkurrenzverband der FIP war, werden ihre Leistungen und wegweisende Arbeiten für die Motivphilatelie allgemein anerkannt. Schließlich beschloss der 15. FIPCO-Kongress in Budapest die Auflösung des Verbandes, dessen Aufgaben an die neugeschaffene FIP-Motivkommission übergingen. Nach der Auflösung der FIPCO und Vereinigung mit der neugeschaffenen FIP-Motivkommission, im Jahre 1964, fungierte Walz als deren Sekretär. Ab 1964 leitete Heinrich Walz die FIP-Motivgruppe Landschaften und Touristik. Als sein ein Stellvertreter fungierte Willy Weinen.

Heinrich Walz wurde aufgrund seiner Verdienste um die Motivphilatelie und seiner herausragenden Kenntnisse noch zum Präsidenten der FIP-Motivkommission gewählt. Am 7. Mai 1969 verstarb der Vordenker und große Pionier der Motivphilatelie. Die saarländische und deutsche Philatelie hatte einen großen Sammler verloren, dessen Ideen richtungsweisend für die Entwicklung der Motivphilatelie und damit auch für die Thematische Philatelie waren. Sein Engagement für die Philatelie, regional und International, war stets uneigennützig und wird stets Vorbild und Ansporn für Philatelisten an der Saar sein.

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(Abbildung: Heinrich Walz als Referent auf dem FIPCO-Kongress 1959 in Luxemburg, Foto: Letzeburger Journal)

Weil die fachliche Zuständigkeit nun allein in den Händen der FIP lag, konnte die Motivkommission die Strukturen für Regelwerke klarer festlegen. 1972 führte dies zu einer Zweiteilung in die Klassen Motivsammlungen und Dokumentarische Sammlungen. Nachfolgend sind die jeweiligen Strukturen dargelegt:

1) Motivsammlungen:

Derartige Exponate behandelten bildliche Motive nach einer thematisierten Grundstruktur in Form einer frei wählbaren Gliederung. Erforderlich war eine textlichen Ausarbeitung in Bezug auf das gezeigte Material. Es bestand keine Forderung nach Vollständigkeit.

2) Dokumentarische Sammlungen:

Sie zeigten Material über Organisationen oder wiederkehrende Ereignisse sowie gemeinsame Ausgabenanlässe verschiedener Postverwaltungen. Dies erfolgte nach einer Gliederung mit einem chronologischen oder geographischen Aufbau, aber auch nach den Strukturen der jeweilig behandelten Organisationen. Dabei lag eine klare Forderung auf Vollständigkeit zu Grunde.

Allerdings führten verschwommene Abgrenzungen, Probleme mit der Bewertung und Zuteilung in die jeweilige Klasse dazu, dass die FIP aufgrund eines Beschlusses von 1985 die Zusammenlegung der beiden Wettbewerbsklassen zur Thematischen Philatelie in die Wege leitete, was 1989 bewerkstelligt war.

Zwecks Information über die heutigen Exponatskriterien der Thematischen Philatelie bitte ich um Nachschau bei den einschlägigen Regelwerken.


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